Auszeit 2015

Dienstag 05.05.2015

Montpellier Tag 1
an der Bushaltestelle in Grau du Roi Warten mit 2 anderen Reisenden. . jeder hat eine andere Abfahrtzeit ausgemacht. . Der ausgehaengte Fahrplan zeigt nochmal was Anderes an. .. in Summe liegen unsere Zeiten eine Stunde auseinander. . Aber wir haben ja Zeit - wie alle hier zu haben scheinen. .. ich fuehre zum ersten mal seit einer Woche ein laengeres Gespraech mit dem Mann, der aus der Normandie stammt, hier im Casino arbeitet, Weissenburg kennt und eine Woche nach Hause zur Familie faehrt. Es geht ums Wetter, Segeln, Maennerurlaub - letztendlich darum, dass die Zeit rumgeht. .. im Bus wird es kontinuierlich waermer und in Montpellier angekommen ist es fast erdrueckend heiss und wir lechzen nach der frischen Luft als sich die Tueren oeffnen - 26 Grad zeigt die Wetter-App. .. beim Versuch die Tram Fahrkarte mit der Kreditkarte zu bezahlen der Schock: Kreditkarte nicht da .. ich rufe im Restaurant an wo ich zuletzt damit bezahlt habe, dort ist aber niemand von gestern abend praesent. Ich packe den kompletten Rucksack aus und finde sie in der Hemdtasche. . Typisch fuer mich. Aufatmen und weiter ins Hotel.. in Montpellier ist es einiges waermer als am Meer. .ein Stueck Pizza auf dem Place de la Comedie ..umringt von ziemlich abgerissenen Gestalten und dann lasse ich mir im Tourismusbuero erklaeren was man alles machen kann. . Fuehrung durch Anatomie Museum - einer der Gruende hier zu sein ist natuerlich erst am Samstag, da bin ich schon zu Hause und anders kommt man nicht rein. Also noch eine elastische Binde kaufen und ins Museum Fabre. . Die Binde hilft die 3h durchzustehen. Museum ist okay aber ich haette mir mehr Impressionisten gewuenscht... es ist Abend und ich passiere einen Imbiss der mit Don Camillo auf einem Schild fuer das beste Kebab in Frankreich wirbt. . Schon bizarr - ein Nordafrikanischer Imbiss wirbt mit einem katholischen Priester fuer islamisches Essen .. der Reiz und Hunger ist gross und ich trete ein. . Der Wirt ist mit seinem Akzent kaum zu verstehen aber ich bekomme mein Kebab - Bier oder Wein gibt es natuerlich nicht nur Softdrinks .. ob es das beste Kebab in F ist, kann ich nicht beurteilen. jedenfalls nicht das Schlechteste ... zurueck mit der Tram .. was angenehm auffaellt: die Stadt wuselt nur so von jungen Leuten - viele davon Studenten. . hier haette ich es als Student auch ausgehalten. .. ich bleibe noch in einer Bar auf einen Rouge und ein Bier haengen und schaue ab und zu auf dem aufgestellten TV Real gegen Inter, was scheinbar niemand der Anwesenden interessiert .. ein Amerikaner plappert mit Ohrhoeher mit einem Geschaeftspartner waehrend das Leben an ihm vorbeizieht. .. it s business not life .. dann lieber noch die Anderen und das Leben beobachten. ..

Montag 04.05.2015

Le Grau du Roi
heute mache ich was mir am schwersten faellt - naemlich (fast) nichts. ..
ausser mit dem Bus rumgurken, den Moewen vor dem Balkon zuschauen und am Meer sitzen.
Die Fischkutter kommen am spaeten Nachmittag den Hafen rein, verfolgt von den Moewen. Offensichtlich ist das Mittelmeer doch noch nicht leer gefischt.
Vor 2 Jahren bin ich an der gleichen Stelle gegessen, damals allerdings nicht fusskrank und konnte noch am Strand entlang bis la Grande Motte laufen .. .

Sonntag 03.05.2015 Carcassonne - Sete

.. ein letzter Blick auf die alte Bruecke ueber die Aude und die Silhouette der Altstadt von Carcassonne ... ich hoere Bill Frisell am Ufer des Canal du Midi und bewundere die Ausdauer der Angler, die - im Trueben fischen (reinfallen moechte ich da nicht) -
aber was soll man schon machen an so einem - lazy Sunday afternoon - ein Thunfischbaguette zum Mittagessen und dann der verweifelte Versuch am Ticketautomat im Bahnhof den richtigen Tarif zu waehlen (es ist nicht anders als in Deutschland ) - ohne Glueck, denn der Zug ist ausgebucht also 2 Stunden warten auf den naechsten.... aber zusammen mit anderen Muessiggaengern, die Bierdosen und eine grosse Colaflasche rundum gehen lassen - die offensichtlich nicht nur Cola enthaelt - harre ich der Dinge, die da kommen - oder auch nicht ...
endlich angekommen in Sete ...
Die Stadt scheint irgendwie ausgestorben. .. vielleicht liegt es an der Frische des bewoelkten Abends die alles etwas laehmt .. auf dem zentralen Platz fahren Kinder auf Spielzeug-Sulkys mit Plastikpferden um die Wette .. eines der wenigen Dinge, die sich zu bewegen scheinen .. dann, eine halbe Stunde und eine Strasse weiter geht das Leben langsam los... Motorroller, Autos und der Bus kaempfen um jeden Centimeter .. ein Kind sitzt bei seinem Vater auf dem Motorroller auf dem Schoss - immerhin mit Helm...
das Essen wieder gut aber die schrullige aeltere Bedienung eine Katastrophe. . wahrscheinlich ist sie die Chefin des Restaurants und ihre schrullige Art scheint sich auf die uebrigen Angestellten uebertragen zu haben. . das Interieur riecht nach Zedernholz wie unsere Kueche in Portland. . die Kuechenhilfe, die ich durch die Anrichte sehe, schneidet Grimassen und die andere dunkelhaeutige Bedienung scheint das Ende des Tages herbeizusehnen. .. aber das Essen ist gut - was will man mehr..
Cafe lieber im Bistro nebenan ... hier ist es herzlicher .. bisou hier und da - auch am Telefon...
Auf dem Rueckweg: Was mir gefaellt ist, dass die Haeuser entlang des Wassers nicht Hotels gewichen sind, sondern den Leuten, die hier leben, noch gehoeren... der Tag hat eigentlich gut angefangen, das Ende koennte etwas versoehnlicher sein ... es faengt an zu nieseln (singe von der Band JULI vor mich hin : Ich bin der Regen du das Meer .. und sanfter Regen regnet leise .. Ich bin der Regen du das Meer und sanfter Regen zieht im Wasser grosse Kreise ) ...
werde die Notration Rouge aufmachen (schoen, das es in F auch 0.25 Flaschen gibt, die rucksackmaessig noch ertraeglich sind). .. sitze auf meinem Balkon mit kuenstlichen Blumen (ich liebe Balkons - wichtiger als sonstiger Schnickschnack) und nehme teil an den Simpsons ,die in der Wohnung gegenueber flimmern... es ist Sonntag und der Tatort ist in 2 Minuten vorbei ...

Samstag 02.05.2015

Carcassonne
Mit dem Zug zwischen den Cevennen und den schneebedeckten Pyrenaeen im Tal der Aude zur 3. Weltkulturerbestaette auf diesem Trip (nach Avignon und dem Canal du Midi). .. mein Zugnachbar hat es sich ueber 3 Sitze hinweg bequem gemacht und doest vor sich hin, alle 10 Minuten unterbrochen vom Klingeln seines Handys. .. er nuschelt 5 Saetze auf Arabisch macht die Augen wieder zu und doest weiter
... durch die Fussgaengerzone und dort ein - kleines Mittagessen/petit dejeuner - und dann auf der alten Bruecke der erste Ausblick auf die Altstadt auf dem Huegel ..
die Plackerei mit dem laedierten Fuss hat sich gelohnt... ich verstehe warum die Touristen schubweise aus dem Zug und den Bussen sich durch die Strassen bis zur Burg schieben - es hat etwas von New York, wenn die Ubahn ihre Passagiere ausstoesst, die dann im Pulk bis zur naechsten Ampel stroemen... nur fehlt hier das Pulsierende - es stroemt kontinuierlich
... ich habe ein Hotel unweit vom Haupteingang gewaehlt, stelle den Rucksack ab und mache mich auf den Weg ueber die Zugbruecke. . Es hat was von unseren pfaelzer Burgen, ist aber von der Dimension und der Bausubstanz nicht vergleichbar... frueher Nachmittag und kaum ein Durchkommen durch die engen Gassen. .. es wird fast nur spanisch gesprochen und die Kinder muessen von ihren Eltern im Zaum gehalten werden damit sie mit ihren Holzschwertern niemand attackieren
ich komme lieber heute abend nochmal und lese lieber noch Andrzej Stasiuk:
- Die Kneipe -
Eine ausgetretene Treppe fuehrt zu einer Tuer mit kaputter Scheibe, dann ins feuchte Halbdunkel der Diele, und man muss nach links gehen, sonst kommt man zuerst an den Ort, den man spaeter aufsuchen sollte. Die Barfrau hat dunkles, zu einem Pferdeschwanz gebundenes Haar. Ihre Augen passen nicht zu dem Vogelgesicht. Sie haben die Groesse von Rehaugen und glaenzen matt. Und diese dunkle Haut: man weiss nicht, ob von der Sonne oder vom Tabakrauch. Eher von letzterem, denn Sonne gibt es hier nie. Sie scheint draussen, auf das vermodernde zwei-hundertjaehrige Rathaus mit dem Zeltdach. Niemand weiss mehr, was dort war. Jetzt ist es nur noch ein Haufen Schutt, die Fenster mit Brettern vernagelt ...
oder: - die Oma -
Die Oma sah selten nach oben. Ihr Koerper, der Erdanziehung unterworfen, oder vielleicht auch der Last des Himmels, war in einem aussergewoehnlichen Winkel gebeugt. Sie konnte nur nach den Wolken schauen, wenn sie sich setzte. Abends ist es da oben dunkel, und man sieht nichts. Nur diese wilden Wiesen also und die weisse Schlange des Weges, den kaum jemand geht...

Abends nochmals ein Versuch die Burg zu erobern ... es ist um 7 immer noch zu voll fuer meinen Geschmack aber ich finde in einer Seitengasse ein nettes Lokal .. Thunfischsalat vorab, dann Cassoulet, ein Bohneneintopf mit Fleischeinlage (sowas in der Art gab es bei Oma als Samstagsessen) und am Schluss Kaese, zusammen mit dem Rouge ein highlight - ich denke an den Auspruch von Charles de Gaulle - es ist unmoeglich ein Land zu regieren in dem es mehr als 300 Kaesesorten gibt ...
Vereinzelt schlendern Touristen vorbei ohne Blick fuer die Idylle des Orts ... Ich drehe noch eine ausgedehnte Runde und bin fasziniert von den vielen verwinkelten Gassen/Gebaueden, deren Charme erst durch die Beleuchtung zur Geltung kommen. .. Durch die Fenster der tiefer gelegenen Kuechen kann man erkennen was demnaechst auf den Tisch kommt ... auf einer Zinne turtelt ein Entenpaaerchen ... was die hier verloren haben ist mir schleierhaft. . aber vielleicht haben auch sie einen Sinn fuer Romantik. .
Freitag im wahrsten Sinne des Wortes - 01.05.2015 Narbonne

Narbonne
Mit dem Zug nach Narbonne. durch die niedrigen Weinberge auf sandigem Boden ... eins muss man der Grande Nation lassen, die Bahnhoefe aehneln sich oft von der Fassade her, sind aber meist sehr schmuck. . Ich fruehstuecke in einer Bar gegenueber dem Bahnhof in Narbonne und auessere dem Wirt gegenueber meinen Unmut ueber die 5 Euro, die er fuer eine kleine Flasche Wasser will. . das Riesen-Baguette mit Thunfisch kostet genau so viel.
Schwamm drueber. . dann laueft es richtig bloede. .. die Rezeption vom Appartements City Hotel macht erst um 3 auf und es faengt an zu nieseln und das Schienbein schmerzt. . Ich humple zum Zentrum und durch die Markthalle. . schoener Bau - schon von weitem hoert man den Trubel. . Ich hab den Eindruck, dass man weniger zum Einkaufen als zum Essen hier ist ... Weinflaschen gehen die Runde. . Ein bisschen wie Weinfest bei uns.
Das Museum Lapidaire hat erst um 14:30 geoeffnet, die Kirche erst um 14:00 ... so gehe ich in den Park, esse den Rest meines Baguette fuettere die Tauben und lese in den galizischen Geschichten von Andrzej Stasiuk - absolut empfehlenswert .. an der Kirche und dem Museum stelle ich fest dass am 1. Mai nicht geoeffnet ist. . Shit happens, dann wenigstens die Kathedrale und der Bischofspalast. .. auch zu.
bleibt nur das Schoppebaehnel... schont die Haxen...
im Hotel schlechter Empfang. . Wenn es bloed laueft dann aber richtig. . trotzdem ist Narbonne die Reise wert. . Schon vor 30 Jahren auf der Fahrt auf der Autobahn nach Spanien mit 20 anderen Landjugendlichen hat mich der Blick auf die Stadt mit der Kathedrale fasziniert. . jetzt endlich kann ich das Ganze aus der Naehe bewundern. . vor allem das Stueck der erst vor 20 Jahren freigelegten roemischen Strasse VIA DOMATIA -oder so aehnlich - vor dem Bischofspalast bleibt in Erinnerung. .. grosse Steine, 2m tiefer als die Umgebung mittlerweile. . 2000 Jahre und 2m Schutt drauf von Spanien bis nach Italien...
vor dem Abendessen einen Rotwein am Ufer der Robine, umringt von Spaniern, die hier zahlreich vertreten sind, dann eine Pizza zur Abwechslung... man kann ja nicht immer essensmaessig zuschlagen ... ueberhaupt faellt mir auf, das die Mehrzahl der Franzosen trotz des guten Essens nicht zur Fuelligkeit neigen .. warum das so ist muss ich die Kollegen mal fragen . frage mich ob ich aufgrund meines laedierten Beins nicht aufgeben soll und frueher zurueck soll...
Absacker vor der Platz mit der roemischen Strasse. Keine Touristen mehr...angekommen nach 30 Jahren...Ich werde noch ueber die 2000 Jahre alten Steine humpeln....
Donnerstag 30.04.2015

Beziers
Der Tag beginnt frueh und am Bahnhof. .. wie ich gestern erfahren habe geht kein Bus zu meinem Ausgangspunkt am Kanal... Taxi tut es auch
... die Strecke auf dem Treidlerweg entlang dem Kanal haelt was sie verspricht .. sehr idyllisch und schoen schattig laeuft es sich unter den Platanen .. jede Menge Federvieh in den Baeuemen und auf dem Wasser ... am Ufer liegen Boote und groessere Schiffe, von denen offensichtlich einige dauerhaft bewohnt sind ... richtig haeusslich - mit Blumenkaesten, Sitzecke und Grill
... ich begegne Joggern und empfinde Mitleid mit einigen keuchenden Gestalten, die wie ich scheinbar keinen richtigen Spass an der Sache finden koennen ... warum sie es trotzdem tun bleibt ihr Geheimnis ... ich passiere die erste Schleuse, beobachte wie ein Boot passiert und bin als Maschinenbauer fasziniert vom Mechanismus der beiden Tore ... auch nicht schlecht nach 3 Tagen Stadt: man kann mal kurz -aus der Oeffentlichkeit- treten und sich erleichtern ... nach der Haelfte der Strecke allerdings der SuperGau fuer den Wanderer. .. ich werde fusskrank. . die Sehne am rechten Schienbein schmerzt bei jedem Schritt und ich kann nur noch kleine, vorsichtige Schritte machen. . ich google und sehe, dass es tatsaechlich Sehnenscheidenentzuendung am Schienbein gibt. .. ich finde noch eine IBUPROFEN und hoffe ausnahmsweise einmal das Beste fuer MICH...
kurz vor Beziers werden die Muehen jedoch belohnt durch den Blick auf die skyline der Stadt auf dem Huegel mit Kathedrale etc. .. kurz danach ein weiteres Faszinosum: der Kanal ueberquert einen Fluss...Wasser kreuzt Wasser ohne sich zu vermischen sozusagen...
dann die Schleusen von Fonserannes... 8 Stueck, die eine Hoehe von ueber 20 ueberwinden lassen (obwohl sich viele Menschen hier tummeln, habe ich Zweifel, dass das ausser fuer die technik interessierten Nerds niemand interessiert) ...
dann ueber die alte Bruecke in die Stadt ... meine Angewohnheit, die Streckenfuehrung am besten Panorama, das man beim Annaehern einer Sehenswuerdigkeit hat, zu orientieren ist gut aufgegangen. . etwas humpelnd habe ich einen super Ausblick beim Eintritt in die Stadt...auf dem kleinen Berg angekommen ein grandioser Ausblick auf das Tal des Orb
... kurzer Besuch des Klostergartens neben der Kathedrale. . 2 turtelnde Teenager vertreiben mir die Zeit bis die Kirchenpforte geoeffnet wird. .. dann geht das Laufen gar nicht mehr ... um trotzdem noch etwas von der Stadt mitzunehmen, nehme ich -le petit train - und sinniere ueber den Begriff Schoppebaehnel nach .. wahrscheinlich weil man nach einigen Schoppen nicht mehr laufen mag oder kann ... das Bahnen faehrt fast genau die Strecke ab, die ich laufen wollte. . Ich erfahre nichts wesentlich Neues, muss aber wenigstens nicht laufen. .. in der Apotheke noch Medis und ab ins Hotel .. die Besitzer haben scheinbar portugiesische oder brasilianische Wurzeln. . das Hotel hat schon bessere Zeiten hinter sich. . aber der Ausblick auf die zentrale Avenue entschaedigt - wenigstens etwas -
Essen schraeg gegenueber ... Hering mit kalten Kartoffeln und rohen Zwiebeln und Olivenoel und frischer Fisch - richtig gut ... der Wein hat mich auch nicht -wie eigentlich noch nie - enttaeuscht in F ...
Absacker in der Bar de la poste...lebhafte Stimmung, dem Alkohol geschuldet, bereits um 9 Uhr...eine etwas aeltere Frau gibt Chansons zum Besten...alles etwas surreal... Zuhause feiert man wahrscheinlich Hexennacht...es geht uns (noch) gut in Europa ...
die Chansoniere gibt den Serben am Nachbartisch noch ein Staendchen...keiner versteht etwas aber alle sind einmal wieder Brueder und Schwestern - zumindest heute abend ...
Mittwoch 29.04.2015

Agde
mit dem Zug nach Agde, seltsamerweise wieder in Begleitung des gkeichen schmuddeligen Zeitgenossen wie gestern .... Spaziergang am Canale Grande von Agde und am Meer entlang steht an ... nur das Knistern der Muscheln unter meinen Schuhen und das Rauschen der Brandung - keine Autos, nur wenige Strandgaenger ausser mir ... Entspannung ist angesagt. .. keine Gedanken ueber Projektplaene, Budgetzahlen oder mehr oder weniger sinnvolle Aufgaben. .einfach die Seele baumeln lassen. .. der Strand gesaeumt von Strandhaeusern ... protzige und einfache .. Wohlstand und Erschwingliches nebeneinander ... das geht wahrscheinlich nur in Europa so eng zusammen. . und das ist eines der vielen Dinge die ich als Europaer mag .. am Ende wieder Zivilisation und davon richtig fett. . touristischer Overload in Cap d Agde ... Nippes und fast food ... nach 16km habe ich genug .. eigentlich wollte ich noch ein Auge auf den Schweinchen-Strand werfen von dem die franzoesischen Kollegen erzaehlt haben aber das ist mir "zuviel Akt einen moeglichen Akt in Cap d Agde" zu sehen. .. ich nehme den naechsten Bus zurueck, Kraefte fuer die Wanderung am Canal du Midi entlang mit dem Rucksack, sparen ..
abends noch ein Rundgang durch die engen Gassen von Agde ... die Kathedrale und alten Haeuser alle aus schwarzen Steinen die der nahegelegene Vulkan ausgestossen hat. .. nicht vorstellbar, dass die Stadt einmal direkt am Meer lag und jetzt 1km entfernt .. Abendessen ... 2erlei von Auberginen und Paprika und danach Tintenfisch in pikanter Sauce .. dazu disco music aus den 80ern ... ich frage den Wirt und gleichzeitig Koch wie man den Tintenfisch so zart hinbekommt. . auf die Groesse kommt es offensichtlich an. .man muss grosse Tintenfische nehmen und diese 45 Minuten kochen. .. er erklaert mir die Tatsache dass ich der einzige Gast bin mit dem Monatsende und dass niemand mehr Geld hat .. wie beim Friseur bei uns ... Absacker in einer Bar am zentralen Platz. .. man raeumt um 9Uhr schon die Stuehle auf der Terrasse zusammen . Es wird Zeit fuer mich zu gehen wie Reinhard May gesungen hat.
Dienstag 28.April

Avignon
Mit dem Zug ueber Arles nach Avignon. .. nach den heruntergekommenen Industrieanlagen um Marseille durch eine herrliche Van Gogh Landschaft ...
von hellen Steinen durchzogene Huegel, Zypressen, Olivenbaeume, alles was das Auge begehrt. . auch wenn unsere Palz noch so schee is ... ein fast perfekter Tag wenn nicht der Wind (Mistral ?) so stark blasen wuerde.. es ist hell und der Himmel blau .. Van Gogh haette seine Freude (warum musste er sich in einer solchen fried- und freundlichen Umgebung ein Ohr abschneiden und dann umbringen? ) ... mit auf der Reise ein etwas schmuddeliger Zeitgenosse, offenes Hemd, Rucksack und Plastiktaschen dabei, oefter den Sitzplatz wechselnd, vielleicht kein Ticket?
... angekommen in Avignon vom Bahnhof aus der Blick durch den "Haupteingang" der maechtigen Stadtmauer auf die Allee, die sich bis fast bis zum Papstpalast hin zieht. .. der Wind treibt mir den Staub in die Augen und ich suche im Windschatten der Stadtmauer das ueber Booking.com gebuchte "Hotel" , das sich als "Studenten Residenz " entpuppt ... einfach aber gut gelegen ... ich erklaere den Studenten an der Rezeption mit meinem stotternden Franzoesisch dass ich meinen Rucksack da lasse bis das Zimmer frei ist und mache mich auf zum ausgiebigen 8km Spaziergang den ich aus dem Netz geladen habe ...
die Stadt protzt mit gut erhaltenen Pallaesten, schoenen Parks und -wer haette es gedacht - Kirchen ... obwohl ich schon 2 x hier war bietet Avignon mehr als ich bisher kannte .. da ich zeit habe gehe ich ueber die neue Bruecke und geniesse die Aussicht auf die alte Bruecke inklusive Silhouette der Stadt. .. Papstpalast schenke ich mir .. war vom Interieur eher enttaeuschend das erste mal als ich hier war .. noch ein Museum auf die schnelle .. ausser einem van Gough und einer Photografie das den Salon eines reichen Kunstsammler zeigt nichts Besonderes ... ausser dass auf dort Bilder haengen die heute mehrere Millionen wert sind (1 Rousseau, 1 Picasso, 1 van Gogh, 1 Braque etc) ... der Rousseau oder van Gough fuers Wohnzimmer wuerde mir reichen.
Abendessen im "l'offset" ... ich erwische mal wieder genau den richtigen Zeitpunkt ... ein Psychologe haelt einen Vortrag ueber "Beziehungen und Paare" .. hetero-, homo- und bisexuelle /Internet Bekanntschaften ... ich verstehe nicht alles, nur dass es keine grossen Unterschiede gibt .. ausgenommen das Kinderkriegen ... alle haben die gleichen Probleme ... nach dem sehr lebhaften Vortrag darf gefragt werden. .. nach all der Aufzaehlung von Problemen kommt auch die interessante Frage "gibt es ueberhaupt noch Beziehungen, die anhalten". .. die Antwort kommt etwas zoegerlich und alles was ich verstehe ist "ja aber diese sind nicht unbedingt einfach" ... das zahlreiche Publikum ueberschuettet den guten Mann mit Fragen ... endlich wird geklatscht ... das Essen war auch prima. .. 2erlei Ziegenkaese / Kabeljaufilet und Quark mit Fruechten allez hoppe und ab ins Bett. ...

Montag 27.04.2015 Marseille

Marseille
04:00 morgens geht es los mit der Fahrt an den Flughafen bei Strasbourg und 4 Stunden später bereits in Marseille. .. es regnet und gewittert wie in Sao Paulo um die Mittagszeit und die Busfahrerin hat Mühe durch die angelaufene Scheibe zu sehen ... wir Passagiere sind auf dem kurzen Weg vom Terminal zur Haltestelle ziemlich durchnässt worden und dampfen jetzt aus ...
Es ist Abend und der Regen ist muede geworden ... nur noch vereinzelt sieht man einen Regenschirm (ich muss an Heinrich Boells Erzaehlung "irischer Regen" aus seinem."irischen Tagebuch " denken, die ich gestern noch gelesen habe-heute stand der franzoesische dem irischen in nichts nach. ...
die Theke des Verkaufsstand mit fruits de mer wird immer noch mit Eis und frischen Austern gefuellt obwohl es schon nach 7 ist ... ich sitze in einer Bar gegenueber, umringt von arabisch sprechenden Maennern ... ein Afrikaner gibt den Maennern am Nachbartisch die Hand - und mir auch ... alle Menschen werden Brueder wo dein sanfter Fluegel weilt ... es ist nicht der schoenste aber der interessanteste Platz, den ich in Marseille kenne ... Blick auf die Cannebiere, der "Hauptstrasse" auf der anderen Seite der Eingang zum Multikulti Viertel ... die Fuesse etwas platt vom Besuch 2er Museen .. das MUCEM, weswegen ich hier bin hat sich gelohnt ... architektonisch und von der Ausstellung ... Thema : das Mittelmeer und seine Kulturen mit 4 Schwerpunkten:
1. die Geburt der Landwirtschaft und der Natugoetter
2. die den Menschen nahen und ihnen dienenden Gottheiten
3. der Aufstieg der Staedte und der Buergerrechte
4. die Zeit der Entdecker ...
alles mit wenigen aber gut sortierten Exponaten erklaert ..
ich hoffe dass es morgen etwas waermer wird ... der Geruch nach frischem Fisch vom Stand ist zu verlockend und gehe in das hzugehoerige Self-service Restaurant ... Volltreffer ... Alles super frisch und lecker... die franzoesischen Zeitgenossen neben mir verputzen die Meerefruechte atypisch schnell ... es ist halt richtig gut hier ... beschliesse morgen nach Avignon zu fahren und buche noch schnell eine Unterkunft ... auf dem Nachhauseweg um 9:30 werde ich neidisch .. die Friseursalons haben noch offen ... ich hoere den jungen Friseur beim Haare waschen den Kunden fragen "c est trop chaud frere? " .. irgendwie sind wir doch alle Brueder ... vom Hotelzimmer jetzt eine herrliche Aussicht auf die beleuchtete Notre Dame auf dem Berg und darunter die Schiffe im Hafen. ..